Ovelgünne

Einwohner (Stand 03/2010): 394
Ovelgünne liegt am Südostende des „Selschen Bruches“, am Rand des Landkreis Börde. Die Verkehrsanbindung erfolgt über die Eisenbahnlinie Magdeburg – Hannover und die Straßen B 246a, L 45, L 103, K 1270.
Der Ortsname beinhaltet „auf der anderen Seite“ liegendes Vorwerk, was aus dem Niederdeutschen kommt. Im frühen Mittelalter befand sich östlich des heutigen Ortes das Pfarrdorf Groß-Siersleben, das um 1460 wüst wurde. Endes des 15. Jahrhunderts wurde das Vorwerk Ovelgünne durch den Amtmann „Heinrich von dem Werder“, Burgherr zu Ummendorf, angelegt. Große Verheerungen müssen voraus gegangen sein, so dass die alte Landwehr an der Grenze zwischen Groß und Klein Siegersleben auf der Binnenseite und Eilsleben auf der Außenseite für die Abwehr von Eindringlingen vom Westen her nicht mehr genügte. Der Erzbischof von Magdeburg ließ durch die verwüsteten Äcker Gräben ziehen und Landfestungen aufwerfen. Die Bauern wurden hinter der Ummendorfer Burg angesiedelt. Dies alles ging nicht ohne Streitigkeiten ab. Das System von Landwehren richtete sich ja vor allem gegen Übergriffe aus dem Herzogtum Braunschweig. Unter dem Druck des Erzbischofs gab das Kloster Helmstedt die Eigenbewirtschaftung der Ländereien in Selschen und Groß Siegersleben auf und überließ sie dem Amt Ummendorf gegen Zins.
Die erste urkundlichen Erwähnung stammt aus dem Jahre 1552. Um 1780 wurden 18 Kolonisten angesiedelt. 1902 erfolgte die Trennung von Ummendorf und seither ist das Dorf eine selbständige Gemeinde. 1950 wurde Siegersleben eingemeindet und ist Ortsteil von Ovelgünne. Beide Orte gehören der Verwaltungsgemeinschaft „Obere Aller“ an.
Die „Friedenskirche“ der Gemeinde steht auf einem Hügel am Südrand des Dorfes. Sie wurde aus rotem Sandstein 1920/22 erbaut. Die Orgel stammt von 1932. Am Dorfteich sind alte große Kastanienbäume zu bestaunen. Er wird auch als Angelgewässer genutzt. Ca. 2,5 km nordwestlich von Ovelgünne in der Gemarkung Eilsleben befindet sich das Flächennaturdenkmal „Mückenberg“, ein ökologisch bedeutender Standort für seltenen Pflanzen, beispielsweise die Wiesenprimel
Das Ummendorfer Erbbuch von 1577 behauptet, dass die Feldmark Ovelgünne von altershehr Groß Siegersleben geheißen habe. Das Familienoberhaupt, das damals hier siedelte, hat wahrscheinlich Sigiheri oder Sigihard geheißen. Seine Nachkommen benannten diesen Nachlass nach ihm.
Das Grundwort –leben und einen germanischen Rufnamen als Bestimmungswert war bei den nordgermanischen Warnen üblich. Die Warnen waren ins Nordthüringau gezogen und lebten in Gemeinschaft mit den Thüringern. Unser Nordthüringau wurde im Jahre 531 nach dem Sturz des Thüringer Reiches eine Beute des Stammbundes der Sachsen, deren Grundwort –dorf ist. Der neue Ort Klein (neu) Siegersleben entstand südwestlich des Mutterortes Groß (alt) Siegersleben in einem Talkessel am flachen Westhang der grünen Berge. Vermutlich wurde Klein Siegersleben, das heutige Siegersleben, aus dem Altbesitz der von Siegersleben herausgetrennt, um einer zweiten Linie das Recht der Teilnahme am Grafschaftsgericht in Seehausen zu gewähren. Höchstwahrscheinlich geschah das von dem Jahre 1144, denn in diesem Jahr traten zwei Mitglieder des Geschlechtes von Siegersleben als Schöffen und Zeugen der auf dem Großen Gerichtstag in Seehausen angefertigten Urkunden auf. Es waren Bruno und Adalbert von Siegersleben. Es ist nicht bezeugt, dass sie Brüder waren, was man sonst in den Urkunden vermerkt findet. Vermutlich waren sie Vettern.
Da nach dem sächsischen Recht für die schöffenbar Freien ein Grundeigentum von mindestens drei Hufen (75 Morgen oder ca. 22,5 ha) Bedingung war, muss angenommen werden, dass diese von Siegersleben getrennte Eigenbesitze hatten, dass der Erstgenannte immer in Groß (alt) Siegersleben saß, einer der anderen in dem neuen Ort Klein (neu) Siegersleben. Die Linie von Alt-Siegersleben hatte sich dem Erzbischof von Magdeburg zugewendet. Groß Siegersleben war ein Kirchdorf. Die Kirche war dem heiligen Hippolit geweiht, sie wäre als die ältere die Mutterkirche von (Klein) Siegersleben geworden, wenn dem 1188 nicht ein Familienzwist entgegengestanden hätte. Nach 1268 wird die Benennung Groß Siegersleben nicht mehr benutzt und die Tochtergründung wurde noch 1272 und 1284 Klein Siegersleben genannt.
Ab 1238 nutzte das „Kloster Marienthal“ bei Helmstedt jede Gelegenheit zum Landerwerb. Dazu gehörte auch die Gemarkung Siegersleben. 1239 gründete es einen neuen Klosterhof mit einer Marienkapelle. Der Hof entwickelte sich bald zur Größe eines Gutshofes. Im Lauf der Reformation und des 30-jährigen Krieges wurden Dorf und Gut stark zerstört. Von den zahlreichen Pächtern des Klostergutes hatte Oberamtmann „Österreich“ großen Anteil an der Errichtung der Eilsleber Zuckerfabrik. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Siegersleben unter westfälischer Verwaltung zum „Kanton Seehausen“. Die Anlage des ehemaligen Klostergutes ist heute noch erhalten. Auf dem Hof stand die Kapelle, die der Klosterheiligen „Maria“ geweiht war. Sie wurde 1865 abgerissen, nachdem die neue Dorfkirche fertiggestellt war. Die „St. Marien“-Kirche erbaute man 1861/64 unter der Leitung des Kreisbaumeisters „Wunderlich“-Schöningen. In welchem Verhältnis stand die Tochtergründung Klein Siegersleben zum Mutterort Groß Siegersleben?
Durch eine Urkunde von 1188 wird bekannt, dass der Klein Siegersleber Ritter Albert, mit Beinamen der „Lange“, sich eine eigene Kapelle geleistet hatte, die dem heiligen Nikolaus geweiht worden war. Die erreichte Ritterschaft ließ es ihm wahrscheinlich unwürdig erscheinen, in der Kirche von Alt Siegersleben hinter einem Vetter zu rangieren, der die Ritterwürde nicht erreicht hatte. Es muss sogar zu einem Zerwürfnis gekommen sein, denn er weigerte sich erfolgreich zuzulassen, dass seine Privatkapelle als Alt Siegersleber Kirche als Filial unterstellt wurde. Er muss in Halberstadt gut angesehen gewesen sein, so dass der bischöfliche Hof eine ihm annehmbare Lösung fand. Die Linie Alt Siegersleben hatte sich damals schon dem Erzbischof von Magdeburg zugewendet, obwohl dieser hier weder kirchliche noch landesherrliche Rechte hatte. In dem Ort entspringt der „Deipen Beek“, einer der Quellflüsse der Aller. Zu der Region um Ovelgünne/ Siegersleben gibt es einige Sagen. Zwei der bekanntesten und schönsten sind die Geschichten vom „Brotkuchen“ und vom „Goldenen Schwert“. Bei Siegersleben liegen die „Grünen Berge“. Wie in jedem Berge, sollen auch hier Zwerge wohnen. Einst pflügte dort ein Bauer auf dem Dreileber Feld. Als er die Furche zog, hörte er in der Erde Geräusche. Es schien ihm, als ob gebacken würde. Bald stieg aus der Stelle der schöne Geruch nach frischem Backwerk empor. Da rief der Bauer: „Mick ok enen Bortkauken!“ und pflügte weiter. Als er nach einiger Zeit wieder an die Stelle kam, lag dort tatsächlich ein Brotkuchen. Daneben stand noch ein Krug mit schäumendem Bier. Beides hatten die Zwerge aus den „Grünen Bergen“ dem fleißigen Bauern gebracht, der sich daran labte und stärkte. Der Besitzer der Burg Ummendorf eignete sich die Ländereien des zerstörten Dorfes an und gründete das Vorwerk Ovelgünne. Auf diesen Gründer „Heinrich von Werder“ geht folgende Sage zurück:
„Heinrich von Werder“ soll in Ovelgünne gestorben und auch dort begraben sein. Ein goldenes Schwert und eine Glocke wurden ihm mit in den Sarg gegeben. Wenn ein Gewitter heraufzieht, hört man die Glocke klingen. Auserwählte Menschen wollen die Glocke im Glockenborn haben läuten hören. Die Erinnerung an „Heinrich von Werder“ ist verblaßt. Man erzählt auch, dass es sich um das wertvolle Schwert eines französischen Generals handelt. Die Ovelgünner hoffen, bei Ausgrabungen einmal das Schwert zu finden.
Wappen
Das Motiv des Wappens der Gemeinde Ovelgünne ist eine gestürzte silberne Taube mit Ölzweig auf blauem Schild. Das Motiv dieses Wappens ist abgeleitet von einem alten Kirchensiegel und wurde 1945/46 vorübergehend auch als Gemeindesiegel benutzt. Die Gemeindefarben sind blau-weiß.













