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Nach Unfallschock: Wefensleber Bäckerei Schubert muss schließen


Bild zur Meldung: Elke Wipper im Verkaufsraum ihrer nun ehemaligen Bäckerei. Schutt und Scherben vom Unfall sind beseitigt, die immensen Nachwirkungen aber schmerzen. Foto: Wipper



Sechs Wochen nach dem erschreckenden Unfall in der Wefensleber Bäckerei Schubert steht fest: Der Laden wird nicht wieder geöffnet. Inhaberin Elke Wipper sieht sich gezwungen, das Geschäft aufzugeben. Zu groß sei der Aufwand, zu quer der Standpunkt der Versicherungen.

 

Die Traditionsbäckerei Schubert in Wefensleben ist Geschichte. Keine Chance mehr, die Situation umzubiegen, bestätigt Inhaberin Elke Wipper, Tochter des Geschäftsgründers Johann Schubert, und kann sich die Tränen ob der Endgültigkeit dieser Erkenntnis nicht verdrücken. „So hatte ich mir das Ende natürlich nicht vorgestellt“, sagt die 60-Jährige. „Es ist alles ein bisschen doof; von einer Minute auf die andere war alles kaputt.“

Das Schicksal schlug am 10. Juni zu. Freitagvormittag. Aus dem Nichts kracht ein Auto mit zwei Insassen durchs Schaufenster. Den Sockel zerschlägt es, auch die Theke hält der Wucht nicht stand. Glassplitter schießen durch den Raum, der Verkäuferin der Schreck durch die Glieder. Den 81-jährigen Fahrer hatte es aus unbekannter Ursache aus der Kurve getragen. Die drei direkt Beteiligten bleiben von schweren Verletzungen verschont. Das sich bietende Bild aber ist für alle schockierend.

 

Leichte Verletzungen, hoher Sachschaden

Elke Wipper war zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Hof hinter der Backstube. Sie erzählt: „Ich habe es nur scheppern gehört, dachte zuerst, es ist etwas umgekippt, und dann war da dieses Chaos. Zum Glück ist meiner Angestellten bis auf ein paar Prellungen und Schnittwunden nichts passiert, zum Glück war gerade niemand sonst im Laden, und ich bin auch froh dass der Fahrer und seine Frau das einigermaßen heil überstanden haben.“

 

Für die Bäckerei allerdings bedeuteten diese verhängnisvollen Sekunden das Aus. „Ich bräuchte eine komplett neue Ladeneinrichtung vom Regal bis zur Kaffeemaschine“, erklärt Elke Wipper. „Aber ich kann und möchte mich in meinem Alter nicht mehr dermaßen verschulden, zumal ich mich wohl ohnehin in absehbarer Zeit zur Ruhe gesetzt hätte.“ Die drei Angestellten bekommen noch den Juli-Lohn, dann war es das. Erneut fließen die Tränen: „Um meine Leute tut es mir am meisten leid. Dass ich sie auf den Arbeitsmarkt schicken muss. Wir waren ein tolles Team. Mein Geselle ist bereits anderweitig unter, die anderen finden hoffentlich auch etwas.“ Wipper selbst ist ebenfalls schon auf Arbeitssuche.

Ein anderes Hindernis für die Wiedereröffnung ist die allgemeine Kostensteigerung, die der Bäckerin zunehmend zu schaffen gemacht hat: „Zum Beispiel der Strom für den Backofen. Früher habe ich dafür 860 Euro bezaht, dann ist es auf 1200 Euro hochgegangen, und zuletzt hat sich das auf 2400 Euro verdoppelt. Ich müsste meine Preise also entsprechend anpassen, wobei ungewiss wäre, ob die Nachfrage dann auch dieselbe bleibt.“

 

Versicherungen stellen sich quer

Alternativen wie ein Verkauf vor der Bäckerei aus dem Auto heraus erachtet Elke Wipper als zu umständlich und nach der Erfahrung vom 10. Juni auch zu gefährlich. Nein, der Entschluss steht und lautet: Geschäftsaufgabe. „Dem Unfallverursacher gebe ich daran keine Schuld“, betont sie, „denn dazu sind ja eigentlich Versicherungen da, um solche Schäden zu regulieren.“ Doch dies gestaltet sich schwierig. Weder die Haftpflicht des Fahrers noch Wippers eigene Versicherung wollen zahlen. Jedenfalls nicht im Anschaffungswert einer neuen Einrichtung. „Die sagen, es ist alles alt gewesen, und wollen nur den Zeitwert ersetzen“, zuckt Elke Wipper ratlos mit den Schultern. Die Augen werden wieder feucht: „Mein Mann kann eigentlich alles reparieren, aber das jetzt nicht. Auf eigene Kosten kann ich das nicht ausgleichen. Allein ein Tresen würde um die 10 000 Euro kosten.“ Tür, Fenster und Jalousien sind aufs Doppelte veranschlagt. „Alles in allem reden wir locker von mindestens 40 000 Euro.“

 

Kundschaft spendet 5000 Euro

Eine Summe, die auch die aus der Wefensleber Bevölkerung gestartete Spendensammlung nicht auffangen kann. Gut 5000 Euro haben die Leute im Ort und der Umgebung für Elke Wipper zusammengetragen. Sie meint dazu: „Ich bin sehr dankbar dafür, auch für das Mitgefühl, dass damit zum Ausdruck gebracht wird, und es zeigt, dass die die Leute uns gern haben. Andererseits ist mir das etwas peinlich, weil damit ja der Wunsch bestand, dass der Laden schnell wieder aufmachen kann. Und jetzt muss ich den Leuten erklären, dass dies nicht möglich ist.“

Das Spendengeld verwende sie in Absprache mit den Spendeninitiatoren nun anderweitig: „Ich habe mir einen Anwalt genommen mit dem Ziel, Geld von der Versicherung zu erstreiten.“ Ihre Rechtsschutzversicherung sei dafür nicht ausgelegt, insofern sei die Aktion trotzdem „eine enorme Hilfe.“

Hoffnung auf neuen Pächter

Und es bestehe Hoffnung auf eine Nachfolge: „Die Handwerkskammer wird Werbung machen, vielleicht findet sich jemand, der die Bäckerei und die Wohnung obendrüber pachten möchte. Letztlich ist ja alles da, nur der Laden eben nicht.“

 

Tür und Fenster des Ladens sollen in den nächsten Wochen instandgesetzt werden. Frische Brötchen aber werden hier vorerst nicht mehr erhältlich sein. In Elke Wippers Gedanken- und Gefühlswelt ist all das noch nicht gesackt. Der 17-Stunden-Tag mit dem Schwerpunkt auf den ganz frühen, noch nächtlichen Morgen hat sich tief eingeprägt: „Ich kann nach den ganzen Wochen nachts trotzdem kaum schlafen. Das ist noch so drin.“ Zugleich verspürt sie offenbar so etwas wie Erlösung: „Ich habe das wirklich gern gemacht, aber auf die viele Freizeit die weg ist, darf man nicht schauen. Ich hoffe, dass ich nochmal eine 'normale' Arbeit finde.“

 

Text: Ronny Schoof - Volksstimme